A1 bei Oberbuchsiten © Pro Natura Solothurn

Einsprache gegen Ausbauprojekt der A1

01.09.2018

Pro Natura hat Einsprache gegen das Ausbauprojekt der A1 auf 6 Spuren zwischen Luterbach und Härkingen erhoben und mit diversen Anträgen Verbesserungen und Ergänzungen bei den ökologischen Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen verlangt.

Der Autobahnausbau auf 6 Spuren und die negativen Folgen der Bau- und Betriebsphase mit erwartungsgemäss höheren Verkehrsfrequenzen sind für die Menschen, die Landschaft und die Natur im Gäu gigantisch. Deshalb stehen wir von Pro Natura Solothurn dem Ausbauprojekt sehr kritisch gegenüber. Mit unserer Einsprache hoffen wir Verbesserungen des Projektes im Bereich Umwelt und Natur zu erreichen.

In Anbetracht der Wichtigkeit des überregionalen Wildtierkorridors SO9 Oberbuchsiten ist die geplante Wildtierüberführung mit einer Breite von 60 m absolut ungenügend. Als wesentliche Faktoren zur Funktionalität des Korridors zählt das ASTRA die zu erstellenden Zuleitstrukturen wie beispielsweise Hecken, welche die Wildtiere auf den Übergang leiten sollen. Die Planung und Umsetzung dieser wichtigen Zuleitstrukturen delegiert das Bundesamt aber dem Kanton Solothurn.

In unserem ersten Antrag verlangen wir noch einmal – wie bereits in der Stellungnahme zum generellen Projekt - die Eindeckung der Autobahn auf einer Länge von 2 km im Bereich des Wildtierkorridors. Aus unserer Sicht und gemäss unseren Berechnungen schätzte die Machbarkeitsstudie des ASTRA die Mehrkosten viel zu hoch ein. Als zweiten Antrag fordern wir die seriöse Prüfung des wesentlich günstigeren alternativen Vorschlags einer 500 m langen Eindeckung der Autobahn und dessen Aufnahme ins Projekt. Beide Eindeckungsvarianten würden bezüglich wirksamer Reaktivierung des Wildtierkorridors, Landschaftsschutz, Schonung der Bodenressourcen und Verminderung von Lärmimmissionen viele Vorteile bringen.

Wichtig ist uns dabei auf jeden Fall, dass das ASTRA die Koordination und Verantwortung zur Umsetzung der Zuleitstrukturen im gesamten Bereich des Wildtierkorridors übernimmt. Die Pflanzung, die nachhaltige Pflege von neuen und die Erhaltung von bestehenden Leitstrukturen müssen nachhaltig rechtlich und finanziell vom ASTRA sichergestellt werden, d.h. solange die Autobahn mit ihrer Barrierewirkung besteht.

Für den Fall, dass tatsächlich keine Tunnelvariante durchsetzbar wäre, haben wir weitere wichtige Anträge formuliert. So verlangen wir vom ASTRA eine mindestens 100 m breite Wildtierüberführung und schlagen für den Bau die Evaluation einer Holzkonstruktion vor. Ernsthafte Konflikte orten wir im nördlichen Bereich der Wildtierüberführung zwischen den Ansprüchen der Wildtiere und der Primär- und Sekundärnutzung des unmittelbar benachbarten Modellflugplatzes. Hier muss eine nachhaltige Lösung gefunden werden, um Störungen der Wildtiere zu verhindern. Die geplanten Massnahmen mittels angepasstem Flugplatzreglement und Besucherinformation sind ungenügend. Der direkte Bereich der Wildtierüberführung darf auch nicht mit Wegen erschlossen werden und im Gebiet der renaturierten Dünnern ist ein Naturreservat ohne Zugang für Erholungssuchende zu schaffen. Nur so kann der Wildtierübergang ungestört und erfolgreich von den Zielarten genutzt werden. Zudem sind die geplanten Massnahmen im Bereich Flora, Lebensräume und Fauna vollumfänglich in die Plangenehmigung aufzunehmen und umzusetzen.

Wir werden uns mit all unseren rechtlichen Möglichkeiten für die Anliegen der Natur und die Minimierung der negativen Auswirkungen des Grossprojektes einsetzen.

Artikel aus „Pro Natura lokal“ 2/2018

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