Aufbau Wildhecke Thomas Fabbro
24.03.2026 Praktischer Naturschutz

Heckenpflege - gewusst wie!

Am 8. November 2025, einem kalten, aber sonnigen Morgen, fanden sich die rund 15 Teilnehmenden des Praxiskurses «Gehölz- und Wildheckenpflege» auf dem Hof Waldenstein in Beinwil SO ein, wo sie vom Pächterpaar Lea Zaugg und Stefan Schneitter mit heissem Tee und Gipfeli empfangen wurden.

Der inhaltliche Auftakt machte Wildheckenspezialist Max Jaggi mit einem fundierten Vortrag in der warmen Jurte. Er erläuterte die zentrale Bedeutung von Wildhecken für die Biodiversität und unsere Kulturlandschaft. Als wichtige landschaftliche Elemente dienen sie insbesondere als Lebensraum, Nahrungsquelle und Rückzugsort für unzählige Tier- und Pflanzenarten und vernetzen unterschiedliche Lebensräume miteinander. Gleichzeitig machte der Vortrag deutlich, dass diese wertvollen Strukturen heute durch die Intensivierung der Landwirtschaft, durch fehlende Pflege oder unsachgemässe Eingriffe unter Druck stehen. Fachgerechte Heckenpflege ist also kein einmaliger Eingriff, sondern ein langfristiger Prozess, der Wissen, Aufmerksamkeit und Respekt vor den natürlichen Abläufen erfordert. 

Nach dem theoretischen Teil ging es nach draussen zu einer Hofbegehung, bei der die teilnehmenden Naturfreunde einen konkreten Einblick in die Heckenlandschaft des Hofes Waldenstein erhielten. Max Jaggi erklärte, wie die bestehenden Hecken aufgebaut sind, welche Ziele mit ihrer Pflege verfolgt werden und wo Herausforderungen liegen. Anhand konkreter Beispiele wurde uns aufgezeigt, dass jede Hecke anders ist und ihre Pflege an Standort, Alter und Struktur angepasst werden muss. Die Theorie aus dem Vortrag liess sich so gleich auf die Praxis vor Ort übertragen.

Zur Mittagszeit wurden die Teilnehmenden mit einer leckeren Gerstensuppe und Streuselkuchen frisch aus dem Ofen verpflegt und verwöhnt. Beim gemeinsamen Essen tauschte man sich aus über eigene Projekte im Garten, über Erfahrungen aus anderen Pflegeeinsätzen und über die persönliche Motivation, sich für Natur und Landschaft einzusetzen und an einem Kurs wie diesem teilzunehmen. Diese Gespräche machten deutlich, wie vielfältig das Engagement der Teilnehmenden ist und wie verbindend das gemeinsame Interesse an einer lebendigen Umwelt wirkt. 

Am Nachmittag startete der praktische Teil des Kurses, bei dem wir alle selbst Hand anlegen konnten. Unter der fachkundigen Anleitung des Agronomen Urs Scheidegger errichtete eine Gruppe stabile, grosse Asthaufen. Das Astmaterial dazu stammte aus einem vorgängig auf den Stock gesetzten Heckenabschnitt. So wird ein radikaler Rückschnitt eines überalterten Heckenbereichs bezeichnet. Werden die Asthaufen sorgfältig gebaut, bieten sie künftig Schutz und Lebensraum für Insekten, Kleinsäuger, Amphibien, Reptilien und Vögel.

Die zweite Gruppe wurde von Max Jaggi in Schnitttechnik und Vorgehen eingeführt und stutzte einen schmaleren, dichten Heckenabschnitt mit gezielten, schonenden Schnitten zurecht. Nach dem Wechsel der Posten hatten alle Teilnehmenden beide Arbeiten selbst ausgeführt, konnten üben, nachfragen und Sicherheit gewinnen.

Mit einem gemeinsamen Abschluss ging kurz vor vier Uhr ein intensiver und bereichernder Kurstag zu Ende. Zurück blieben müde Hände, ein paar Dornen in den Kleidern und das gute Gefühl, nicht nur neues Wissen erworben, sondern auch ganz konkret etwas für die Natur gemacht zu haben. Der Heckenpflegekurs zeigte anschaulich wie wirkungsvoll praktischer Naturschutz sein kann, gerade dann, wenn er gemeinsam angepackt wird.

Severin Henzi, Vorstandsmitglied (Text)

Aufbau Asthaufen Thomas Fabbro
Urs Scheidegger erklärt den korrekten Aufbau eines stabilen Asthaufens.