Ziegen als Landschaftspfleger © Urs Chretien

Pflegebetriebe für vernachlässigte Ökoflächen

06.03.2019

Die Natur leidet vielerorts an einer zu intensiven landwirtschaftlichen Nutzung. Es gibt aber auch das Gegenteil: Für viele ökologisch wertvolle Wiesen und Weiden ist die Nutzung zu extensiv oder bleibt sogar ganz aus. Eine Lösung wären landwirtschaftliche Pflegebetriebe, welche sich auf die Bewirtschaftung von Grenzertragsflächen spezialisieren.

Mindestens 50 ha ökologisch wertvolle Weiden und Wiesen in den Solothurner Bezirken Thal und Thierstein sind mangelhaft gepflegt und verganden. Statt die ursprünglich vorhandene Blumenvielfalt nehmen auf diesen oft abgelegenen und steilen Flächen Adlerfarn und Brombeeren überhand. Allmählich verbuschen diese Standorte und zusammen mit den Blumen verschwindet auch die Vielfalt an seltenen Schmetterlingen, Käfern und weiteren Kleintieren. Dies zeigt eine von den Pro Natura Sektionen Baselland und Solothurn in Auftrag gegebene Studie von Hintermann & Weber.

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. Häufig fehlt den Landwirten im Sommer die Zeit oder auch die Motivation, um sich der Pflege dieser wenig ertragsreichen Flächen zu widmen. Manche Bauern gehen auch von der falschen Annahme aus, dass weniger Pflege für die Natur nur positiv sein kann. Aber oft fehlen auch die geeigneten Maschinen für die Mahd der steilen Wiesen oder genügend geeignete Tiere für die Beweidung zur richtigen Zeit. Zudem wird die früher übliche Weidenachpflege vielerorts unterlassen, wodurch sogenannte Weideunkräuter Überhand nehmen und die ursprüngliche wertvolle Vegetation verdrängen.

Eine Lösung dieses zunehmenden Problems könnte der Aufbau von landwirtschaftlichen Pflegebetrieben sein. Diese könnten die Bewirtschaftung der steilen Flächen im Auftrag übernehmen oder diese selber pachten. Denn eine weitere Studie von Agrofutura hat gezeigt, dass sich die Pflege dieser Grenzertragsflächen dank Ökobeiträgen durchaus auch finanziell lohnen kann, insbesondere wenn diese eine genügende ökologische Qualität aufweisen. Aber der Kauf eines modernen leistungsfähigen Hangmähers lohnt sich nur, wenn dieser auf einer genügend grossen Fläche zum Einsatz kommt. Sinnvoll wäre auch die Anschaffung einer geeigneten Maschine durch eine Maschinengemeinschaft oder die Ausleihe über einen Maschinenring.  

Bei bereits verbuschten Flächen ist der Einsatz von Ziegen eine prüfenswerte Option. Insbesondere alte robuste Ziegenrassen fressen bevorzugt Gehölze und schrecken auch vor Brombeeren und Dornensträuchern nicht zurück. Nach einigen Jahren Ziegenbeweidung kann die Fläche dann wieder mit dem Motormäher gemäht oder als reine Rinderweide weiter bewirtschaftet werden. Pflegebetriebe würden Ziegenherden geeigneter Rassen gegen Bezahlung zur Verfügung stellen und auch für die Einzäunung sowie die Betreuung der Herden sorgen.

Urs Chrétien, Projektleiter Hase & Co

Unter dem Titel Hase & Co. führen die beiden Pro Natura Sektionen Baselland und Solothurn ab diesem Jahr eine 10-jährige Kulturlandaktion durch. Ein Schwerpunkt wird die Pflege von Grenzertragsflächen sein. Aber auch die ökologische Aufwertung und Vernetzung im restlichen Landwirtschaftsgebiet sowie die Förderung von artenreichen Fromentalwiesen und Böschungen sind Aktivitäten der Aktion. Die Geschäftsstelle von Hase & Co. ist bei Pro Natura Baselland. Im Kanton Solothurn ist die Aktion auf die Bezirke Dorneck, Thierstein und Thal beschränkt.



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