Pinselkäfer © Pro Natura Solothurn

Gegen das Insektensterben: Fördermassnahmen und Artenschutz

04.03.2020

Die Artenschutzprojekte zum Juchtenkäfer und zur Förderung weiterer seltener Holzkäfer werden von Pro Natura Solothurn in Zusammenarbeit mit dem Kanton umgesetzt.

Enorme Artenvielfalt – aber gefährdet

Das Thema Insektensterben wurde im vergangenen Jahr von den Medien endlich aufgenommen und hat in weiten Teilen der Bevölkerung Betroffenheit ausgelöst. Pro Natura Solothurn betreut seit nunmehr 3 Jahren ein Projekt, das eine ausgewählte, seltene und gefährdete Käferart fördert: Den Juchtenkäfer oder Eremiten (Osmoderma eremita). Nur eine einzige Art fördern? Macht das Sinn? Wäre es nicht besser, allen Insekten zu helfen? Ganz klar wäre dem so, nur ist das gar nicht so einfach. Selbstverständlich helfen saubere Böden und Wasser, sowie reine Luft allen Insekten, auch der enorme Verlust von naturnahen Landschaften muss eingedämmt werden, um allen Sechsbeinern zu helfen.

Spezifische Ansprüche – oft nicht richtig bekannt

Allerdings benötigen manche, meist seltene Insektenarten ganz spezifische Unterstützung. Bei rund 30'000 Insektenarten, die in der Schweiz bekannt sind, ist es eigentlich klar, dass auch eine Vielfalt an Massnahmen notwendig ist, um die unterschiedlichen Ansprüche an die Lebensräume dieser Tiere erfüllen zu können. So hilfreich ein Insektenhotel für manche Wildbienen sein mag – einer seltenen Schwebfliege oder einem Käfer nützen solche Bauten nicht. Das Ansäen von Wildblumen ist ein sehr wirksames Mittel, um einer Vielzahl von Insektenarten zu helfen – die Pollen einheimischer Blüten dienen sehr vielen Insektengruppen als Nahrung. Es gibt aber auch Insekten, die nicht Blüten aufsuchen, wie beispielsweise manch seltene Schnake, Libellen oder eben auch Käferarten, welche sowohl eine andere Nahrung (z.B. Holz) oder einen anderen Lebensraum (z.B: einen abgestorbenen Kräuterstängel) benötigen. Zur letzteren Gruppe gehört der Juchtenkäfer. Seine Lebensraumansprüche sind besonders hoch.

Uralte Bäume als Lebensraum – sie sind selten geworden

Der Juchtenkäfer bewohnt alte, dicke Bäume mit Höhlen. Diese enthalten im Innern verpilztes Holz – ausschliesslich davon ernährt sich die Larve des Juchtenkäfers. Sie lebt 3 Jahre in derselben Höhle, verpuppt sich, der geschlüpfte Käfer paart sich meist mit familiär eng verbandelten Artgenossen, das Weibchen legt in dieser angestammten Höhle auch seine Eier für die nächste Generation ab. Wird der Populationsdruck in der Höhle zu gross, fliegen an heissen Sommertagen die Weibchen aus und suchen sich einen anderen, für die Brut geeigneten Höhlenbaum. Leider sind die Juchtenkäfer sehr schlechte und träge Flieger und bewältigen nur kurze Strecken. Der nächste Baum muss somit in der Nähe stehen.

Der Juchtenkäfer – eine Schirmart

Alter Baum, der möglichst noch lange stehen soll; Höhlen enthaltend; bestimmter Pilzbefall; gute Besonnung; geeigneter Brutbaum in unmittelbarer Nähe: Ziemlich anspruchsvoll, das Tier! So erstaunt es nicht, dass der Juchtenkäfer in der Schweiz vom Aussterben bedroht ist. Die Massnahmen, die Pro Natura Solothurn für das Tier seit drei Jahren umsetzt, sind - nebst dem Erhalt von bisher nur 2 bekannten Brutbäumen – das Pflegen und Erhalten alter Bäume im Siedlungsgebiet, die Suche nach weiteren Käfer-Standorten und die Sensibilisierung der Bevölkerung für das seltene Insekt. Von den Massnahmen profitieren weitere Insektenarten, die ebenfalls in solchen Höhlen leben.

Lea Kamber

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