Geburtshelferkröte © Stefan Dummermuth

Perlenkette Hinteres Leimental: neue Lebensräume für den Glögglifrosch

04.03.2020

Im Leimental auf dem Gebiet der Gemeinden Bättwil und Witterswil werden in diesem Jahr sechs Weiher erstellt, um zwei Populationen der Geburtshelferkröte zu vernetzen.

Überschwemmungen in Auengebieten und Erdrutsche waren früher prägende Elemente unserer Landschaft, auf die sich zahlreiche einheimische Tier- und Pflanzenarten spezialisiert haben. Durch die Begradigung von Flüssen sind diese dynamischen Lebensräume grösstenteils verschwunden und mit ihnen auch ihre Bewohner wie zum Beispiel der Glögglifrosch.

Doch einige Arten sind anpassungsfähig und weichen auf neue, vom Menschen geschaffene Lebensräume aus. Im Hinteren Leimental leben Glögglifrösche im Naturschutzgebiet "im Boden" in Ettingen und am "Bäramselweiher" in Bättwil. Die beiden Vorkommen sind 2.4 km voneinander entfernt und nicht ausreichend miteinander vernetzt.

Um den genetischen Austausch zwischen den beiden bestehenden Populationen zu ermöglichen, werden im Sommer 2020 entlang des Waldrandes von Bättwil und Witterswil sechs neue Weiher angelegt - eine Perlenkette für den Glögglifrosch.

Wenn neue Weiher angelegt werden, geschieht dies mit einer Dynamik, die einem Hochwasser in einer Auenlandschaft gleicht. Mit gewaltigen Kräften wird Erde wegtransportiert, Bäume werden ausgerissen und es entstehen Mulden, in welchen sich Wasser sammelt. Unmittelbar nach dieser "Katastrophe" sieht die Landschaft komplett verwüstet aus. Umgelagerte Erde liegt brach, Wurzelstöcke und Totholz liegen ungeordnet übereinander. Doch bereits nach ein paar Wochen beginnt die Tier- und Pflanzenwelt, die frei gewordenen Nischen wieder zu beleben. Um diese Dynamik zu erhalten, welche eine Auenlandschaft so vielfältig macht, soll in Zukunft pro Jahr einer der sechs neuen Weiher abgepumpt und wieder auf Null gesetzt werden. Die Katastrophe wiederholt sich pro Weiher alle 6 Jahre und ermöglicht den Erhalt eines Pionierlebensraumes, so wie er für den Glögglifrosch und viele andere Arten notwendig ist.

Pro Natura Solothurn hat die Projektträgerschaft für dieses Projekt übernommen und koordiniert in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Götz die Planung und Umsetzung der Perlenkette im Hinteren Leimental.

Der betroffene Waldrand gehört der Einwohnergemeinde Bättwil und der Bürgergemeinde Witterswil. Das Projekt wird durch die gute Zusammenarbeit zwischen der Forst Betriebsgemeinschaft am Blauen (FGB) und den Gemeinden ermöglicht. Beide Gemeinden beteiligen sich finanziell am Projekt und die Forstgemeinschaft am Blauen übernimmt die Pflege der Weiher in den kommenden Jahren.

Die Gesamtkosten des Projekts inkl. Pflegearbeiten bis zum Jahr 2030 belaufen sich auf rund Fr. 110'000.-. Sie konnten mit grosszügigen Beiträgen der folgenden Geldgeber gesichert werden: Alpiq Ökofonds, Natur und Heimatschutzfonds Kanton Solothurn, Forstfonds Biodiversität Kanton Solothurn, Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, Walder-Bachmann-Stiftung, Pro Natura, Gemeinden Witterswil und Bättwil, Pro Witterswil.

Franziska Studer

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