Körnerbock © Pierre Bornod_BY-NC 2.0_Flickr

Seltenen Käfern auf der Spur

14.03.2023

Pro Natura Solothurn leitet und unterstützt gemeinsam mit dem Kanton ein dreijähriges Artenschutzprojekt zur Förderung von seltenen Käfern, das im laufenden Jahr abgeschlossen sein wird – Zeit, eine erste Bilanz über die bisherigen Arbeiten zu ziehen.

Ausgangslage

Im Kanton Solothurn sind vier seltene Käferarten auf der nationalen Prioritätenliste, für welche Fördermassnahmen ergriffen werden: Juchtenkäfer (Osmoderma eremita), Körnerbock (Aegosoma scabricorne), Marmorierter Goldkäfer (Protaetia marmorata) und Wacholderbock (Poecilium glabratum). Die drei erstgenannten Arten leben in Höhlen alter Laubbäume, resp. in den Strünken und absterbenden Stämmen derselben. Der Wacholderbock – wie sein Name verrät – entwickelt sich in frisch abgestorbenen Zweigen von alten Wacholderbüschen. Der Rückgang der vier Käferarten ist schnell erklärt: Ihr Lebensraum ist in den letzten hundert Jahren stark zurückgegangen. Die alten Bäume müssen für die wärmeliebenden Insekten nämlich gut besonnt sein, d.h. sie dürfen nicht im dichten Wald stehen, sondern an Waldrändern oder in Siedlungen (in Parks, Alleen, Friedhöfen und Hofstätten). Sobald ein alter Baum im Siedlungsraum eine Gefahr für die Passant*Innen darstellt, beispielsweise durch herabfallende Äste, hat er in der heutigen Zeit einen schweren Stand. So werden in der Stadt Solothurn zwar noch viele alte Bäume erhalten und gepflegt, trotzdem wird der Lebensraum ‘alter Baum mit Höhle’ zunehmend seltener.

Auf den Jurahöhen sind in den vergangenen Jahren die Wacholderbestände ebenfalls zurückgegangen. Dicke Schneedecken drücken auf die Äste, welche unter der Last abknicken und im Frühjahr so von den Bockkäfern für die Eiablage besiedelt werden. Fehlen die grossen Schneemassen (z.B. aufgrund der Klimaerwärmung), fällt die natürliche Schädigung der Äste weg und die Bockkäfer finden keine frisch abgebrochenen Äste für ihre Eiablage. Auf manchen Weiden wurden die sehr langsam wachsenden Wacholder auch entfernt. Sind die Distanzen zwischen den Wacholderbeständen zu gross für die nur kurze Strecken zurücklegenden Käfer, kommt es zu einer sogenannten Verinselung, das heisst, die Käfer sind nur noch ganz lokal auf einzelnen Flächen vorhanden.

Spezifische Lebensraumansprüche

Der Wacholderbock wurde im Kanton Solothurn noch gar nie nachgewiesen. Weil aber kleine Vorkommen im angrenzenden Kanton Bern ebenfalls auf den Jurahöhen bekannt sind, ist die Käferart auch im Kanton Solothurn prioritär eingestuft. Die Hoffnung besteht, dass die Solothurner Jurahöhen für den Winzling (der Käfer misst kaum mehr als einen halben Zentimeter) eine Brücke zur Berner Population schlagen könnten.

Von einem der grössten Bockkäfer der Schweiz, dem Körnerbock, gibt es ebenfalls noch keine Nachweise im Kanton Solothurn. Aber rund um Liestal und Richtung Basel sind Vorkommen bekannt. Auch hier gilt es, der kleinen Population Richtung Westen mit dem Angebot einer Vielzahl an alten Baumstämmen einen grösseren Lebensraum schaffen zu können.

Die beiden Blatthornkäfer Juchtenkäfer und Marmorierter Goldkäfer wurden in den letzten Jahren auch in Solothurn gefunden. Von ersterer Art ist der Standort im Solothurner Siedlungsraum wohl der einzige auf der ganzen Schweizer Alpennordseite. Für diese beiden Käferarten müssen Bäume uralt und hohl sein und die Baumhöhle muss sogenannten Mulm enthalten – eine Mischung aus abgestorbenem Holz und Pilz, die einzige Nahrung der Käferlarven.

Bisher umgesetzte Massnahmen

Für die wohl seltenste Art der vier erwähnten Käfer, den Juchtenkäfer, hat Pro Natura die Aufgabe übernommen, grosse, alte und gut besonnte Bäume zu pflegen und zu schützen. Langfristig sollten im Raum Solothurn möglichst viele Höhlenbäume unter Schutz gestellt werden. Am Standort der bisher einzigen gesicherten Population wurde der Brutbaum geschützt, sowie eine unmittelbar in der Nähe stehende Linde von geschulten Baumpflegern geschnitten und ebenfalls unter Schutz gestellt. Zudem wurde ein hohler Platanenstamm eingegraben, der im laufenden Jahr mit künstlichem Brutsubstrat gefüllt wird – diese künstliche Bruthilfe soll ausfliegenden Weibchen einen sicheren Eiablageplatz in Flugdistanz garantieren.

Die Gemeinde Langendorf unterstützt unser Projekt, indem sie eine Auswahl sehr alter Bäume, die später Höhlen bilden können, durch einen renommierten Baumpfleger schneiden lässt. Von diesen alten Bäumen profitieren auch die beiden anderen in Höhlen und Altbäumen lebenden Käferarten.

Für den Wacholderbock wurde in einem aufwändigen Monitoring ein Perimeter ausgewählt, in dem einerseits ausreichend viele alte Wacholderbestände stehen und andererseits die Nähe zu bekannten Populationen im Kanton Bern gewährleistet ist. Die für den Perimeter zuständigen Vernetzungsberater unterstützen die betroffenen Landwirte bei der Beratung ihrer Flächen. Der Landschaftstyp ‘Extensive Weide mit Wacholderbeständen’ wurde zudem ins Mehrjahresprogramm Natur & Landschaft aufgenommen, d.h. die Landwirte werden für ihr Engagement, die Wacholder zu erhalten und bei Rodungen zu verschonen, entschädigt.

Für alle Massnahmen ist es wichtig, dass deren Wirkung laufend kontrolliert wird. Dies geschieht via sogenanntes Monitoring, also eine Überwachung allfälliger neuer Bestände an ausgewählten Standorten. Für diese Aufgabe hat Pro Natura Solothurn am Anfang der Projektphase eine Gruppe von interessierten NaturbeobachterInnen ausgebildet, die in der Lage sind, die gesuchten Käferarten aufzuspüren und zu melden und die Projektleiterin beim Nachweis der Solothurner Zielarten zu unterstützen.

Lea Kamber (Biologin)

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